Musik- und Medienwerkstatt: Videoinstallation "Le sacre du printemps"

Inhalt

Während alle Klassen einer Schule auf Klassenfahrt fahren, bleibt eine Klasse daheim: die DaZ-Klasse. Gut, dass es Projekte gibt und toll wenn ein Projekt den SchülerInnen aus ganz verschiedenen Kulturen nicht nur die deutsche Kultur näher bringt, sondern sie selbst zu einem Teil dieser Kultur werden lässt.

Von Anfang April bis Ende Mai 2016 fand in Leipzig in Kooperation mit der Nachbarschaftsschule (Nasch) das Projekt „Videoinstallation: Le sacre du printemps“ statt. Entstanden aus einer gemeinsamen Idee von MedienpädagogInnen von medienblau und MusikpädagogInnen von IMPULS, der Musikvermittlung des Gewandhauses zu Leipzig, wurde schnell klar, dass es viele offenen Fragen gab:

Können jugendliche SchülerInnen einer DaZ-Klasse  mit überwiegend Geflüchteten einen Bezug zu europäischer klassischer Musik herstellen? Können sich diese Jugendlichen trotz geringer Deutsch-Kenntnisse tiefgreifend mit dieser Musik auseinandersetzen und ihre Assoziationen und Empfindungen medial umwandeln? Und kann aus ihren medialen Assoziationen eine Stop-And-Motion-Videoinstallation entstehen, die in einem der berühmtesten Konzerthäuser Deutschlands, dem Gewandhaus zu Leipzig, zu sehen sein wird?

Das Projekt war ein voller Erfolg. Was allen klar wurde, war, dass es sich um ein besonderes Projekt handelte. Besonders, vor allem für die SchülerInnen, deren eigene Identität und künstlerische-mediale-Ausdrucksfähigkeit im Mittelpunkt stand. Besonders für die PädagogInnen, in der Zusammenarbeit mit den ganz verschiedenen kulturellen Hintergründen und Sprachniveaus der SchülerInnen. Besonders auch, wegen des übergreifenden Ansatzes von Medienpädagogik, Musikpädagogik und Kunstpädagogik und nicht zuletzt besonders durch die öffentliche Präsentation der Videoinstallation im Gewandhaus zu Leipzig.

In der Kategorie "Interkulturelle und internationale Projekte" ist dieses Medienprojekt der Gewinner des Dieter-Baacke-Preis 2016.

Mit diesem Video bieten die Jugendlichen selbst einen kurzen Einblick in den Verlauf des Projektes.

Ablauf des Projektes

Das Projekt bestand aus drei Teilen: einem halbtägigen Auftaktworkshop im Gewandhaus, einer fünftägigen Projektwoche mit interner Präsentation in der Schule und einer öffentlichen Präsentation der Videoinstallation an drei Abend im Gewandhaus inklusive Konzertbesuch der teilnehmenden SchülerInnen und ihrer Eltern, Betreuer oder Geschwister.

Der Auftaktworkshop verlief sehr praktisch. Nach einer Führung durch das Gewandhaus zu Leipzig wurden einige Instrumente eines Sinfonieorchesters vorgestellt und konnten von den SchülerInnen ausprobiert. Ein Schlagzeuger des Gewandhausorchesters führte in ausgewählte Rhythmen des Stücks „Le scare du printemps“ von Igor Strawinsky ein und danach konnten die SchülerInnen selbst musikalisch aktiv werden, was allen großen Spaß machte.

In der Projektwoche wechselten sich viele Methoden ab: Gruppenarbeit, Paararbeit, rhythmische Spiele, Warm-Ups, Rituale. Mit klarer Struktur und viel Spielraum für Kreativität und Eigenarbeit mittendrin. In einer Erprobungsphase wurde die Klasse halbiert. Während sich jeweils eine Hälfte mit der Musik assoziativ auseinandersetzte und die Assoziationen nach Belieben in Farben, Figuren, Formen und Wörter mit Knete und Stiften verwandelten, erkundete die andere Hälfte die sechs verschiedenen künstlerisch-medialen Techniken:

  • Typografie und Farben, Animation mit Wörtern und Buchstaben
  • Whiteboardmethode, Animation aus Zeichnungen aufgenommen in Einzelbildern
  • Wedelmethode, Video durch Abfilmen von Bewegung hervorgerufen durch Wedeln
  • Legetrickmethode, Animation mit Materialien wie Ästen, Blättern, Tusche, Sand
  • Videostrukturmethode, Entdecken der Assoziationen im realen Leben mit Videokamera
  • Making of, Dokumentation mit Photo und Video, Bildbearbeitung für Abspann

Die SchülerInnen begannen dann  mit Ihrer Wunschtechnik, Musik, ihre Assoziationen und die damit hervorgerufenen Bilder zu verknüpfen und künstlerische Produkte zu erstellen.

Zur Präsentation im Gewandhaus zu Leipzig wurden die SchülerInnen versammelt und feierten ihr Projekt. Für viele war der Besuch im Gewandhaus ein Erlebnis an sich. Einen großen Aha-Effekt gab es im Konzertsaal bei den ersten Tönen des Orchesters. Die Musik nun live zu hören, mit der sie sich so intensiv auseinandergesetzt hatten, war etwas ganz besonderes.

Kooperation

In einem Gespräch entstand die Idee einer Kooperation von medienpädagogischer Projektarbeit von medienblau und der Musikvermittlung des Gewandhauses IMPULS. Musik sollte als Ausgangspunkt für die Erarbeitung einer medialen Stop-And-Motion-Video-Installation stehen. Als Anlass wurde das Entdecker-Konzert „Le sacre du printemps“ von Igor Stravinsky ausgewählt, das am 25. Mai 2016 im Gewandhaus zu Leipzig stattfand. Bei der Überlegung nach der geeigneten Zielgruppe für das Projekt kam aufgrund des aktuellen gesellschaftlichen Wandels durch die Aufnahme vieler Menschen auf der Flucht der Wunsch auf, Jugendliche mit Flucht- und Migrationshintergrund für das Projekt zu gewinnen. Dabei war uns wichtig, über die interkulturelle Projektarbeit mit Jugendlichen einen Teil der integrativen Auseinandersetzung mit der europäischen Kultur zu leisten, sondern auch, die Jugendlichen selbst mit ihrer Ausdrucksfähigkeit, ihrem persönlichen Hintergrund und ihrer Kreativität zu einem Teil dieser Kultur werden zu lassen. Für die Teilnahme am Projekt konnte die DaZ-Klasse der Nachbarschaftsschule Leipzig gewonnen werden. Die Klasse selbst bestand aus 22 Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren, die zwischen einem Jahr und einem Monat in Deutschland lebten und aus ganz unterschiedlichen Ländern wie Syrien, Afghanistan, Russland, Polen, Serbien und Mexico kamen.